Wie trauern Tiere?

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Inzwischen wissen wir, dass Tiere emotionale Lebewesen sind und fühlen können, zum Teil genau wie wir. Auch wenn dies wissenschaftlich nicht einfach zu belegen ist, sind diese Erkenntnisse inzwischen auch in der Forschung anerkannt. Am deutlichsten werden Emotionen der Tiere, wenn sie sich in Extremsituationen befinden. Wenn ein Tier zum Beispiel in Not ist, empfindet es Angst und zeigt diese sichtbar. Manche Tiere äußern diese Emotionen, uns Menschen ähnlich durch Geräusche wie z.B. Schreie der Angst. Genauso sind aber auch schöne Emotionen wie Freude oder Wohlbefinden gut zu beobachten. Die Freude eines Hundes, der seine Menschen wiedersieht und begrüßt, kennen wir alle. Aber auch Schweine oder Rinder können diese Verhaltensweise und Emotionen deutlich zeigen. So kommen unsere geretteten Schweine Lilly und Sally auch fröhlich grunzend angelaufen, wenn wir sie besuchen und werfen sich auf den Rücken, um die Bäuche gekrault zu bekommen.

Schwein Sally genießt sichtlich.

Sicher durch wissenschaftliche Studien wurde belegt, dass Säugetiere Emotionen wie Angst, Freude, Wut, Einsamkeit und Schmerz fühlen können. Bei einigen Walarten oder Primaten stellte man darüber hinaus fest, dass sie sicher in der Lage sind, Gefühle wie Selbstbewusstsein zu empfinden. Aber auch die kleinsten, meist ungesehenen Tiere wie Fische können sich fürchten und Stress empfinden.

Wie steht es um die Trauer?

Wenn wir einen geliebten Menschen oder ein Tier vermissen bzw. sogar verlieren, empfinden wir Schmerz und Trauer. Oft bleiben diesem Emotionen über einen langen Zeitraum bestehen und wir können uns nur schwer von ihnen lösen. In machen schweren Trauerfällen halten diese Gefühle in abgeschwächter Form ein Leben lang an.

Wenn wir über die Gefühle und Empfindsamkeit der Tiere sprechen, stellt sich natürlich die Frage, ob und wie Tiere um Gefährten und Artgenossen trauern können?!

Hierfür haben wir ein sehr persönliches Beispiel unter unseren geretteten Tieren. Schaf Bruno wurde als junges Lamm mit seiner Mutter Ilse kurz vor der Schlachtung von uns gerettet. Gemeinsam brachten wir sie auf einem Lebenshof in Sicherheit, auf dem Bruno erwachsen wurde. Nach nun sechs gemeinsamen Jahren in Freiheit waren Bruno und seine Mama Ilse ein enges Gespann und durch nichts zu trennen. Bruno liebte seine Mama sichtlich und sie ihn. Sie gab dem schüchternen Bruno viel Sicherheit und er genoss ihre Stärke und das Selbstvertrauen. Wenn Ilse angerannt kam, um uns zu begrüßen, folgte ihr auch Bruno.

Nun verstarb Ilse letzten Winter an Altersschwäche im recht hohen vermuteten Alter von ca. 10 – 12 Jahren. Bruno wich auch am Tag ihres Todes nicht von ihrer Seite und blieb bei ihr liegen, bis ihr lebloser Körper abgeholt wurde. Um ihm und den anderen Tieren Zeit zu geben, sich zu verabschieden, ließ man Ilse noch eine Weile im Stall liegen. Inzwischen sind einige Monate vergangen und wir haben das Gefühl, dass es Bruno zwar gut geht, aber er dennoch immer wieder traurig wirkt und auch als würde er Ilse vermissen. Ohne ihn vermenschlichen zu wollen, fiel uns auf, dass er sich auch uns gegenüber schüchterner verhält, als mit Ilse an seiner Seite. Das Schöne ist jedoch, dass er nun viel besser in die Schafherde auf dem Lebenshof integriert ist und dort neue Freunde gefunden hat.

Von Schafen weiß man, dass sie sie zu einer ganzen Reihe von Gefühlen in der Lage sind: dazu zählen z.B. Ekel, Enttäuschung, Wut, Angst und Zufriedenheit. Ob jedoch Trauer, wie wir sie von uns Menschen kennen, auch unter Tieren auf die gleiche Weise empfunden wird, ist in der Wissenschaft bisher noch umstritten. Belegt und beobachtet ist aber auf vielfältige Weise, wie Tiere mit dem Verlust eines enge vertrauten Lebensgenossen umgehen.

Ein der Trauer ähnliches Verhalten wurde so z.B. bei Orcawahlen oder Hunden festgestellt. Orcamütter haben so die leblosen Körper ihrer Jungen noch tagelang auf ihrem Rücken mitgetragen oder sogar an die Wasseroberfläche gebracht. Hunde leiden bewiesener Maßen, wenn ihrer Menschen vor ihnen versterben, verweigern Futter und verlieren sogar die Lebenslust. Uneinig ist man dabei noch, ob Stresshormone, die Gefühle nachweisen können, bei den betreffenden Tieren ausgeschüttet werden, weil ein Todesfall auch mit dem Verlust von Sicherheit einhergeht. Neuste Erkenntnisse zeigen, dass Trauer bei Tieren stark ähnlich ausgeprägt sein kann, sich jedoch in der Länge unterscheidet und so etwas kürzer ausfallen kann, aber nicht muss.

Doch nicht nur bei Tod wird Trennungsschmerz bei Tieren sichtbar. Nachgewiesen wurde so auch, dass Kühe und ihre Kälber sehr unter der Trennung kurz nach der Geburt, hervorgerufen durch die gängige Praxis in der Milchindustrie, leiden. Häufig schreien die Mutterkühe tagelang nach ihren Kälbern und sind sogar in der Lage zu weinen, indem sie bei Schmerz und Trauer echte Tränen vergießen.

Zwergi übernahm die Mutterrolle für Marie-Muh, die ihrer Mutter entrissen wurde.

Auch wenn es wissenschaftlich bisher nicht gänzlich belegt werden konnte, dass Tiere wie wir Menschen trauern können, sind stark ähnliche Verhaltensweisen beim Verlust eines Artgenossen und sogar Menschen gut zu beobachten. Sicher ist in jedem Fall, dass Tiere teilweise zu den geleichen Gefühlen wie wir Menschen in der Lage sind und Schmerz empfinden. Allein dies sollte Grund genug sein, sie gut zu achten, anstatt sie auszubeuten, damit wir ihre Milch oder Fleisch konsumieren und ihre Haut und Fell zu nutzen.

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